Leclerc gewinnt chaotisches Großbritannien-Rennen hinter dem Safety Car
Charles Leclerc hat den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone gewonnen und damit seinen ersten Saisonsieg 2026 sowie seinen ersten Erfolg an dieser Strecke eingefahren. Der Ferrari-Pilot profitierte im Schlussteil des Rennens von einem technischen Defekt bei Polesetter Kimi Antonelli sowie von einem späten Dreher von Max Verstappen, der die letzten Runden hinter dem Safety Car erzwang. Hinter Leclerc komplettierten George Russell und Lewis Hamilton das Podium. Russell profitierte davon, dass er sich in der finalen Safety-Car-Phase gegen einen Boxenstopp entschied, während Hamilton trotz einer Zeitstrafe wegen eines Frühstarts auf Rang drei ins Ziel kam. Lando Norris und Isack Hadjar rundeten die Top 5 ab. Für Audi-Pilot Nico Hülkenberg endete das Rennen dagegen vorzeitig: Nach einem Getriebeproblem musste er seinen Wagen in Runde 38 abstellen.
Der Rennverlauf im Detail
Ferrari übernimmt sofort die Führung
Beim Start setzten sich die beiden Ferrari von Charles Leclerc und Lewis Hamilton gegen Polesetter Kimi Antonelli durch, der von der Pole Position aus nur schleppend wegkam. Leclerc übernahm die Führung, dahinter reihte sich Hamilton ein. Antonelli musste sich zunächst hinten anstellen und arbeitete sich in der Anfangsphase erst wieder nach vorne, ehe er Hamilton in Runde 11 an der Copse-corner überholte und die Jagd auf Leclerc aufnahm.
Antonellis Strategie geht zunächst auf – dann folgt der Bruch
Mercedes ließ Antonelli deutlich länger auf der Strecke als die Konkurrenz und stattete ihn in Runde 36 mit harten Reifen aus. Dieser Undercut-Versuch über die Reifenwahl schien aufzugehen: Der Rückstand auf Leclerc schmolz zwischenzeitlich auf unter vier Sekunden, Antonelli war spürbar schneller unterwegs und schien auf dem Weg zum Sieg. Auf der 41. Runde verlangsamte er dann jedoch plötzlich und meldete über Funk ein Problem am Auto. Offenbar hatte sich Fremdmaterial im Bereich der Radabdeckung und der Vorderradaufhängung verfangen, sodass sich der Wagen kaum noch lenken ließ. Ein zusätzlicher Boxenstopp mit neuem Frontflügel konnte das Problem nicht beheben, Antonelli fiel weit zurück und musste seine Siegchance endgültig abschreiben.
Verstappens Dreher sorgt für vorzeitiges Ende
Auf der 48. von 52 Runden verlor Max Verstappen, der zu diesem Zeitpunkt auf einem Podiumsplatz lag, sein Red Bull am Stowe-Corner und drehte sich ins Kiesbett. Der Niederländer blieb dort stecken, wodurch die Rennleitung eine gelbe Flagge und im Anschluss das Safety Car auf die Strecke schickte. Für einen möglichen Showdown auf der letzten Runde reichte die verbleibende Zeit nicht mehr aus – das Rennen endete hinter dem Safety Car, was bei den Fans in Silverstone für unzufriedene Pfiffe sorgte.
Russell profitiert, Hamilton verpasst Ferrari-Doppelsieg
George Russell hatte zuvor durch einen langsamen Plattfuß am rechten Hinterreifen Zeit verloren und war nach seinem Boxenstopp zurückgefallen. Als das Safety Car kam, entschied sich Russell gegen einen erneuten Reifenwechsel und blieb draußen. Diese Entscheidung zahlte sich aus: Da das Rennen nicht mehr neu gestartet wurde, sicherte sich Russell damit Platz zwei. Hamilton hingegen war zuvor an die Box gekommen und fiel dadurch hinter seinen Landsmann zurück – ein möglicher Ferrari-Doppelsieg blieb damit aus, Hamilton musste sich mit Rang drei begnügen.
Weiteres Geschehen im Mittelfeld
In der 22. Runde wurde kurzzeitig das Virtual Safety Car ausgerufen, nachdem ein Regenschirm auf die Strecke geweht worden war. Zu Beginn des Rennens kam es zudem zu einer Kollision zwischen Alexander Albon und Oliver Bearman, bei der der Williams-Pilot in den Haas seines Kontrahenten steuerte. Auch Oscar Piastri wurde früh im Rennen in einen Zwischenfall verwickelt und musste mit Schaden an die Box, wodurch er weit zurückfiel.
Rückschlag für Nico Hülkenberg
Für Nico Hülkenberg verlief das Wochenende schon insgesamt schwierig, ehe sich am Start sein Audi drehte und er wichtige Positionen verlor. In der Folge kämpfte sich der Deutsche durch das Feld, ehe ihn in Runde 38 ein technischer Defekt am Getriebe zur Aufgabe zwang. Nach eigenen Angaben hatte sich das Getriebe bereits beim Boxeneingang der Vorrunde von selbst in den Leerlauf geschaltet, sodass Hülkenberg seinen Wagen kurz anhalten musste, um wieder einen Gang zu finden. Wenig später war für ihn endgültig Schluss. Für den Routinier, der genau an dieser Strecke im Vorjahr sein bislang einziges Formel-1-Podium gefeiert hatte, ist das erneute Ausscheiden in Silverstone besonders bitter. Sein Team Audi konnte den Ausfall dennoch etwas relativieren: Teamkollege Gabriel Bortoleto fuhr in die Punkte und sicherte damit weitere wichtige WM-Zähler für das neue Werksteam.
Strafen und Untersuchungen
Mehrere Fahrer beschäftigten die Rennkommissare auch nach der Zieldurchfahrt:
- Lewis Hamilton erhielt eine Zeitstrafe von fünf Sekunden, weil er sich vor dem Startsignal bewegt hatte. Zusätzlich musste er sich wegen einer möglichen Gelbflaggen-Missachtung bei den Stewards melden, kam dort aber mit einer Rüge davon und behielt seinen dritten Platz.
- Kimi Antonelli wurde nach dem Rennen eine Strafe von fünf Sekunden wegen wiederholter Überschreitung der Streckenbegrenzung auferlegt, was seine ohnehin schon schwache Platzierung weiter nach hinten schob.
- Alexander Albon bekam für die vermeidbare Kollision mit Oliver Bearman eine Zeitstrafe von zehn Sekunden aufgebrummt.
- Carlos Sainz wurde mit einer Strafe belegt, nachdem er während einer Safety-Car-Phase das Safety Car unerlaubt überholt hatte.
Fazit
Ein Rennen mit vielen Wendungen endete für Charles Leclerc mit dem längst überfälligen ersten Saisonsieg und dem ersten Triumph in Silverstone. Während Ferrari mit Platz eins und drei einen starken Auftritt feierte, verpasste WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli durch technische Probleme einen wahrscheinlichen Sieg und musste zudem Punkte im Titelkampf abgeben. Für Nico Hülkenberg und Audi bleibt nach dem Defekt in Runde 38 ein zwiespältiges Wochenende, das dank Gabriel Bortoletos Punkten aber nicht gänzlich ohne Erfolg blieb.